Am 10. Oktober 2020 feiert die CDU Weilburg ihr 75-jähriges Bestehen

Ein kleiner historischer Beitrag unseres Ehrenvorsitzenden Josef Plahl zu den Anfängen der CDU in Weilburg

Wenige Wochen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bildeten sich in
vielen Städten Deutschlands christlich demokratische Parteiengruppen.
Nach dem Scheitern der Weimarer Republik schlossen sich christlich,
interkonfessionelle Personen zusammen, um eine Christlich Demokratische
Partei zu gründen. Auch in der Oberlahnregion fanden sich fünf Monate
nach Kriegsende Frauen und Männer zusammen, die dieses Ziel anstrebten.
Die damalige Situation war schwieg, denn bei der letzten Reichstagswahl
am 5. März 1933 bzw. bei der Wahl zum Preußischen Landtag, erzielten die
Nationalsozialisten in Weilburg 57,1 Prozent bzw. 56,4 Prozent und im
Oberlahnkreis 52,8 Prozent bzw. 52,2 Prozent.

Mutige und entschlossene Damen und Herren beantragten beim Military
Government in Weilburg die Genehmigung zur Gründung einer Christlich
Demokratischen Partei für den Oberlahnkreis. Die Genehmigung dazu wurde
am 10. Oktober 1945 erteilt. Die Antragsteller waren die Damen Beres und
E. Schlitt und die Herren Ferdinand Bergmann, H. Eberhart, P. Schmidt,
Dr. Schuster und E. Strauss (alle Weilburg). Ihnen schlossen sich
Arbeitsgerichtsrat Alois Leuninger (Mengerskirchen) an, der anderthalb
Jahre dem Kreisausschuss des Oberlahnkreises angehörte und nach seiner
Pensionierung wieder Mitglied des Oberlahnkreises war. Zu nennen ist
auch die Kreistagsabgeordnete Grete Bungarten (Runkel), die nach dem
Mauerbau 1962 eine Partnerschaft zwischen dem Berliner Bezirk Kreuzberg
und dem Oberlahnkreis anregte. Ab der 1950er war Dr. Ernst Loew
(Weilmünster) die führende Persönlichkeit der CDU im Oberlahnkreis. Von
1952 bis 1974 war er Kreistagsabgeordneter; 1965 wurde er CDU
Kreisvorsitzender und von 1958 bis 1974 gehörte er dem Hessischen
Landtag an. In Weilburg waren in den späteren Jahren Hermann Schmidt und
Otto Schulze führend in der CDU tätig.

Ziele der neu gegründeten Partei waren:

Zusammenschluss aller nicht sozialistischen Demokraten unabhängig von
Religion, Konfessionen und privaten Bindungen, die nicht in die Politik
gehörten. Auf dieser demokratischen Rechtsordnung sollte für Dorf, Stadt
und Kreis geschaffen werden. Das menschliche Zusammenleben, Handel,
Wirtschaft, Verkehr, Erziehung und Bildung sollten gefördert werden. In
öffentlichen Stellen sollte das Leistungsprinzip zur Geltung kommen.
Eine ehrliche Zusammenarbeit mit allen demokratischen Aufbaukräften
wurde angestrebt. Der Schlusssatz im Gründungsschreiben lautet: Nur
dann besteht Aussicht, dass der demokratische Aufbau eines besseren
deutschen Vaterlandes gelingt. Nur dann kommen wir über die Achtung vor
uns selbst zur Achtung der Außenwelt vor deutschem Wesen und deutscher
Haltung. Nur dann winkt uns die Freiheit.

Die neue Partei nahm auch als Christlich Demokratische Union -CDU - an
den ersten Wahlen nach dem Kriege teil. Bei der ersten Gemeindewahl am
20. Januar erreichte sie in Weilburg 34, 6 Prozent und war damit die
stärkste Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung. Bei der ersten
Kreistagswahl am 28. April 1946 im Oberlahnkreis erzielte die CDU 50,5
Prozent, in der Stadt Weilburg waren es sogar 62,4 Prozent. Und am 15.
Juni 1948 wurde Dr. Arnold Schuster aus Kubach und CDU Mitglied zum
Landrat des Oberlahnkreises gewählt. Er war bis 1952 im Amt.

Den Frauen und Männern in den Anfangsjahren des Wiederaufbaus des
Vaterlandes gebührt Dank und Anerkennung für ihren Mut des Neuanfangs.
Es darf nicht vergessen werden, dass das Land zerstört war. Den heutigen
Menschen ist die damalige Situation kaum vorstellbar, denn überall
mangelte es an den lebensnotwendigen Dingen. Es herrschte Armut, Not,
Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot. Aber die Menschen damals hatte die
Hoffnung für eine bessere Zukunft.

Quellen: Wahlhandburch Limburg-Weilburg 1919 -1933 von Frank Schmidt;
Wahlen in den Gemeinden des heutigen Landkreises Limburg-Weilburg 1946
bis 2006 von Franz-Karl Nieder

Verfasser: Josef Plahl, Ehrenvorsitzender des CDU Stadtverbandes Weilburg
Weilburg, im Oktober 2020

« Wir waren wieder unterwegs! - CDU Weilburg